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Kulturbeutel Ulrike Folkerts und Clemens von Ramin lesen zum Auftakt aus der "Blechtrommel"

Lust auf 800 Seiten geweckt

Speyer 10.06.17 Die Blechtrommel - Gruppe                            
Den Eröffnungsabend gestalteten Ulrike Folkerts und Clemens von Ramin mit der Lesung "Die Blechtrommel".

Speyer. Bekannt als Ludwigshafener Tatort-Kommissarin Lena Odenthal, beweist Schauspielerin Ulrike Folkerts ihre Vielseitigkeit und lässt zum Auftakt des Kulturbeutel-Festivals im Kulturhof zusammen mit Clemens von Ramin die Blechtrommel aufleben. Die Klangeffekte zu dem 1979 von Volker Schlöndorff verfilmten Roman von Günter Grass steuert der Hamburger Multipercussionist Stefan Weinzierl einfühlsam bei.

Die Blechtrommel erschien 1959 als Auftakt der Danziger Trilogie und gehört zu den wichtigsten Romanen der deutschen Nachkriegsliteratur. Der Ich-Erzähler der Blechtrommel ist der Sonderling Oskar Matzerath. Er kommt 1924 in Danzig zur Welt. Zu diesem Zeitpunkt ist sein Verstand bereits vollständig entwickelt. Da er an seinem dritten Geburtstag beschließt, nicht mehr zu wachsen, kann er somit als scheinbar ewiges Kind aus der Perspektive von unten über die Welt der Erwachsenen berichten. Dank seiner Blechtrommel kann er sich auch Ereignisse, an denen er nicht unmittelbar beteiligt war, vergegenwärtigen und so etwa auch darüber berichten, wie seine Mutter auf einem Kartoffelacker gezeugt wurde.

Auswahl fällt nicht mehr

Unmöglich, einen 800 Seiten starken Roman in gut einer Stunde erschöpfend darzubringen. Aber die Passagen, die das Trio auswählt, sind bestens dazu geeignet, den Premierenbesuchern den Roman zum abermaligen Nachlesen ans Herz zu legen. Die Auswahl fällt den drei Blechtrommel-Interpreten nicht schwer, da die eigentliche Handlung aus oft nur locker zusammengefügten Episoden besteht.

So entdeckt Oskar als "hellhöriger" Säugling einen Falter, dessen Flügelschläge den Takt seines Lebens vorzuzeichnen scheinen. Hier spielt Weinzierl das Knistern der Flügel vom Band ein und untermalt es mit sanften Trommelschlägen, erzeugt durch mit Filz ummantelte Sticks. Er trägt mit Konzerttrommel, Vibraphon und Becken geschickt dazu bei, dass die Romanbearbeitung zur musikalischen Lesung heranreift.

Köstlich gestalten Folkerts und Vorleser von Ramin die Szene, in der Erzähler Oskar die nach Vanille duftende Maria mit seinem Brausepulver verführt. Kräftig darf Weinzierl sein Schlagzeug bearbeiten, als die beiden Interpreten die Passage darstellen, in der der ewig Dreijährige eine Parade der Nationalsozialisten aus dem Takt bringt. Diese Szene gehört zu den Glanzstücken der Schlöndorff-Verfilmung und darf bei der Kulturbeutel-Blechtrommel natürlich nicht fehlen. ws


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Veröffentlicht
21:23:00 13.06.2017
Tina, Termin und News Redakteurin