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Ulrike Folkerts im Interview

Tatort-Dreh in Ludwigshafen mit Corona-Schutzmaske

Lange war Pause. Jetzt wird der Ludwigshafener SWR-Tatort "Hetzjagd" weiter gedreht - unter sehr strengen Corona-Hygieneregeln. Eine große Herausforderung für das Team rund um Hauptdarstellerin Ulrike Folkerts, die die Kommissarin Lena Odenthal spielt. Im SWR-Interview spricht sie darüber, was Corona alles bei ihr verändert hat.

Ulrike Folkerts, am 17. März war Abbruch der Tatort-Dreharbeiten. Kam das unvermittelt oder hattet Ihr schon vorher daran gedacht?

Ulrike Folkerts: Nein, der Abbruch kam nicht unvermittelt. Wir waren alle schon ein bisschen beunruhigt, weil man ja mitbekommen hat, dass dieses Virus in Europa und auch in Deutschland angekommen ist und dass ein paar Geschichten schon abgebrochen werden mussten. Ich weiß noch: Ich bin nach Berlin gefahren mit einem Leihauto, weil man wollte mich nicht mehr fliegen lassen, und ich sollte auch nicht mehr Zug fahren.

Man wusste ja nicht, wie man sich infiziert, wann man sich infiziert. Es war alles so spooky. Und ich weiß, dass einige Leute im Team sehr beunruhigt waren, weil in Baden-Württemberg und auch im Elsass die ersten Corona-Infizierten erkrankt waren. Conny, die Kamerafrau, hatte den Verantwortlichen im SWR gesagt, wir müssen etwas machen: Wir können so nicht weiter arbeiten: Es ist so eine Unruhe und eine Verunsicherung.
 

Dann bin ich von Berlin mit dem Auto zum Dreh gebrettert, stand morgens am Set, und dann kam die Redaktionsleitung und hat gesagt: Abbruch. Ich glaube es musste erst abgesegnet werden, dass wir überhaupt abbrechen dürfen und irgendwann weiter drehen werden - dass das finanziell uns nicht um die Ohren fliegt. Keiner wusste wie lange das dauern würde. Tom (Regisseur Thomas Bohn – Anm. d. Redaktion) war glaube ich noch optimistisch und sagte: "Ach, Anfang Mai geht es weiter!" Es hat aber länger gedauert.

Hattest Du in dem Moment auch selbst Bedenken oder gar Angst?

Ulrike Folkerts: Doch, ich hatte Bedenken. Im Team waren Leute, die kannten schon welche, die infiziert waren. Die waren total verstört, weil das so reingehauen hat: Die Leute lagen schon im Krankenhaus und haben um ihr Leben gekämpft. Es war sofort auch im Umfeld bedrohlich und das hat auch Angst gemacht. Ich fand das eine sehr richtige Entscheidung in dem Moment, weil kamen ja von überall her, aus der gesamten Republik. Tom war ja sogar noch Skifahren gewesen, soweit ich weiß in Tirol. Wir hätten schön baden gehen können. Wir haben einfach ein bisschen Glück gehabt.

Die Drehpause dauerte bis zum 23. Juni. Hast Du in der Zeit Deinen Text vergessen?

Ulrike Folkerts: Ja, komplett. Ich hätte das Buch fast weggeschmissen - ich dachte, wer weiß ob wir jemals fertig drehen.

Ich habe viel im Umfeld mitbekommen, dass es Leute gab, die ganz viel arbeiten mussten, zum Beispiel Freundinnen die Lehrerinnen sind. Dieses Homeschooling: Die haben so viel gearbeitet! Eine andere Freundin hat ein Kindermuseum in Berlin, das musste sie schließen. Sie musste ihre Leute in Kurzarbeit schicken. Sie ist kurz vor der Insolvenz. Solche Dinge kriegt man dann halt mit. Meine Freundin hatte zum Glück im Februar noch auf der "Art Karlsruhe" Kunst verkauft, ich bin noch bezahlt worden für meine Drehtage, ich hab auch ein bisschen was gespart und war nicht sofort in einer Bredouille.

Ich hatte das Glück, dass ich aufs Land fahren konnte, nach Brandenburg. Da wurde man nicht denunziert und nach Hause geschickt, weil es nur der zweite Wohnsitz ist, so wie in Mecklenburg-Vorpommern. Es war ja unbeschreiblich was dann plötzlich alles passiert ist.

Aber ich kam total zur Ruhe. Ich habe die Zeit mit meiner Freundin genossen. Vielen ging es ja so, dass sie diese Zeit durchaus positiv wahrgenommen haben. Man macht Dinge, die man bis dahin immer aufgeschoben hat. Auch dieses nichts tun müssen, dieses nicht dauernd getrieben sein, das hat total gut getan. Ich hab dann irgendwann auf einem Bauernhof geholfen, weil ich etwas Sinnvolles tun wollte. Ich habe da 400 Hühner gefüttert, die Ställe sauber gemacht, Eier eingesammelt, und Ziegen auf die Weide gebracht, Ziegenstall ausgemistet... das war ein ziemlich cooler Zeitvertreib. Ich kam mir vor wie ein 15-jähriges Mädchen, dass Ferien auf dem Bauernhof macht.
 

Und dann Richtung 23. Juni wieder den Text neu gelernt?

Ulrike Folkerts: Ja da liest man noch mal das ganze Buch, erinnert sich an das, was wir schon gedreht haben. Das geht tatsächlich ganz gut. Wir sind ja auch ein eingespieltes Team. Wir haben uns auch jetzt richtig gefreut wieder weiter zu machen.

Habt ihr denn jetzt Corona-Tests gemacht?

Ulrike Folkerts: Nein noch nicht, aber nächste Woche müssen die Schauspielerinnen und Schauspieler, die den Mindestabstand am Set nicht einhalten können, sieben Tage lang in Quarantäne, und sie müssen auch einen Test machen. Da gehöre ich dazu. Ich mach mir den Kühlschrank voll - Das ist meine einzige Sorge, dass ich nichts zu essen habe (lacht).

Wo bist Du in Quarantäne?

Ulrike Folkerts: In Baden-Baden. Ich habe da eine Ferienwohnung. Ich finde das nicht wahnsinnig dramatisch. Wir dürfen ja auch drehen in der Zeit. Wir haben VW Busse, die haben Plexiglasscheiben. Wir sitzen da mit Maske drin, maximal zwei Leute in einem VW-Bus. Die Maßnahmen sind wirklich krass. Gestern saßen wir beim Essen alle an Einzeltischen, getrennt voneinander. Also dieser Mindestabstand wird immer versucht einzuhalten. Dann gibt es aber Situationen, wo Drehorte so eng sind, dass ich sage: Wir können diese Abstandsregeln gar nicht immer einhalten. Jetzt gibt es Sonderregeln: 10-20 Sekunden darf man sich kurz näher kommen aber dann bitte sofort wieder Abstand.

Ich hatte diese vier Monate, die ich jetzt weg war, fast nichts mit Corona zu tun. Ich hatte eine Maske auf, wenn ich einkaufen war, und ansonsten war ich in der Natur oder bei den Hühnern. Und jetzt bin ich hier am Set zwölf Stunden damit konfrontiert, und ich bin richtig durcheinander, weil ich finde es massiv.

Wenn wir jetzt zum Beispiel Autofahrten drehen - was wir eigentlich nicht machen dürfen - dann ist jetzt, glaube ich, geplant,  dass wir getrennt spielen müssen. Die Kamera wird im Fenster installiert und ich tue so, als würde Lisa (Lisa Bitter, Filmpartnerin Anm. d. Redaktion) da sitzen, aber rede mit niemandem - und umgekehrt.