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„Tatort“: Ulrike Folkerts über
Dreharbeiten unter Corona-Bedingungen

Ulrike Folkerts

Längst sollte der Ludwigshafener „Tatort“ mit dem Arbeitstitel „Hetzjagd“ abgedreht sein. Doch Corona machte dem SWR einen Strich durch die Rechnung. Seit 23. Juni laufen die Dreharbeiten in Karlsruhe, Baden-Baden und zuletzt auch in Ludwigshafen wieder. In Mannheim haben wir Hauptdarstellerin Ulrike Folkerts am Sonntag zum Interview getroffen.

Der Abbruch sei nicht unvermittelt gekommen, sagt Ulrike Folkerts, dienstälteste „Tatort“-Kommissarin, im Gespräch mit der RHEINPFALZ in ihrem Hotelzimmer im Mannheimer „Speicher 7“. Und doch sei es eine skurrile Situation an jenem Märztag gewesen, als Regisseur Tom Bohn die Crew mit den Worten „Bis bald, bleibt gesund!“ nach Hause geschickt habe, erzählt die 59-Jährige. „Ich selbst hatte Bedenken, und auch die Verunsicherung im Team war groß“, blickt sie zurück. Bis 23. Juni waren die Dreharbeiten eingestellt.

Um Hühner und Ziegen gekümmert

Folkerts zog sich nach dem Abbruch aufs Land nach Brandenburg zurück und genoss die Zeit: „Ich kam total zur Ruhe, habe die Zeit mit meiner Freundin genutzt, habe angefangen zu renovieren, den Blödsinn vom Guten zu trennen.“ Und die Landwirte eines nahegelegenen Bauernhofs durften sich über eine prominente Praktikantin freuen. Folkerts kümmerte sich um rund 400 Hühner und Ziegen, während der Filmzirkus ganz weit weg war. „Ich kam mir vor wie ein 15-jähriges Mädchen beim Urlaub auf dem Bauernhof“, erzählt sie und lacht.

„Ein gutes Gefühl“

Als es aber endlich „grünes Licht“ für die Fortsetzung des Tatorts „Hetzjagd“ gab, sei es einfach nur ein gutes Gefühl gewesen, bekennt sie. In der neuen Folge des Ludwigshafener Falls fahnden die Kommissarinnen Lena Odenthal und ihre Kollegin Johanna Stern nach dem Mörder eines Konzertveranstalters, der wegen Drohungen aus der rechten Szene vergeblich um Polizeischutz gebeten hatte. 

Bis 2 Uhr vor der Kamera

Bis am frühen Sonntagmorgen um 2 Uhr stand Folkerts vor der Kamera. Auch wenn an drei Standorten gedreht wird – vor allem bei Außenaufnahmen wird Ludwigshafen zu sehen sein. So wurde zuletzt in Oppau und am Sonntag in der Stadtmitte rund um den Zollhoftunnel und die Rhein-Galerie gedreht. Auch ein Hotelzimmer in der Innenstadt wird Schauplatz des „Tatorts“ sein, der im ersten Halbjahr 2021 ausgestrahlt werden soll. Ob dem Zuschauer im kommenden Jahr auffallen wird, dass Lena Odenthals Teint sonnenbedingt mal heller und mal dunkler sein wird, oder dass die Bäume innerhalb von nur wenigen Sekunden plötzlich Blätter tragen? Schuld am „Bruch“ ist Corona.

„Jeder sitzt isoliert an einem Tisch“

Vieles, ja an sich alles ist anders als sonst beim „Tatort“. Beieinandersitzen, miteinander reden, sich mal umarmen, all das fällt weg. „In den Mittagspausen sitzt jeder isoliert an einem Tisch“, vermisst Folkerts das Teamgefühl. Ein Hygienebeauftragter des SWR achtet akribisch darauf, dass alle Vorgaben umgesetzt werden. So hält er hin und wieder mahnend den Zollstock hin, damit die 1,50 Meter Abstand eingehalten werden. Zudem sind am Set und selbstverständlich auch beim Schminken Masken verpflichtend. Einzig für den unmittelbaren Dreh werden diese abgesetzt.

„Für sieben Tage in Quarantäne “

Im Drehbuch gab es coronabedingt zudem die eine oder andere Anpassung. Und dennoch wird auch die Folge „Hetzjagd“ einige Szenen haben, in denen sich die Schauspieler nahekommen, die Abstandsregelung nicht eingehalten werden kann. Daher muss auch Folkerts ab Mittwoch für sieben Tage in Quarantäne und wird sich sowohl zuvor als auch im Anschluss einem Corona-Test unterziehen.

Die „Tatort“-Kommissarin sieht es allerdings entspannt. Hauptsache, sie habe etwas zu essen im Kühlschrank, meint Folkerts, die sich in einer Ferienwohnung in Baden-Baden häuslich einrichten wird. Für Folkerts sind die Dreharbeiten für „Hetzjagd“ am 15. Juli beendet. Im August beginnen die Dreharbeiten für den zweiten Ludwigshafener „Tatort“ in diesem Jahr. Auch dann wieder unter Corona-Bedingungen.

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Saskia Helfenfinger-Jeck
Foto: WiTi

 





Veröffentlicht
18:28:00 08.07.2020
Tina, Termin und News Redakteurin