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Tatort-Schauspielerin Ulrike Folkerts liest "Die Blechtrommel" in Detmold


 
Kommt nach Detmold: Ulrike Folkerts liest den kleinen Oskar Matzerath aus „Die Blechtrommel" von Günter Grass.

Detmold/Berlin. Pünktlich um 10 Uhr klingelt das Telefon. „Hallo, hier ist Ulrike Folkerts", meldet sich eine sympathische Stimme am anderen Ende. Bekannt ist sie als Tatort-Kommissarin Lena Odenthal, steht aber auch auf der Bühne. Am Freitag, 22. Februar, ab 19.30 Uhr ist sie mit der Konzertlesung „Die Blechtrommel" zusammen mit Schauspieler Clemens von Ramin und dem klassischen Schlagzeuger Stefan Weinzierl im Detmolder Landestheater zu Gast. Einen Vorgeschmack gibt es im Interview.

 

Frau Folkerts, wie kam es zu dieser Konzertlesung?

Ulrike Folkerts: Die Idee hatte Stefan Weinzierl. Er ist einfach virtuos auf seinen Instrumenten. Und zu so einer Performance passt „Die Blechtrommel" von Günter Grass natürlich schon vom Namen her perfekt. Zusammen mit Clemens von Ramin lese ich eine Fassung, die die Handlung des Buches in zwei Stunden auf den Punkt bringt.

Was ist das Besondere daran?

Folkerts:Grass verwendet viele Wortspiele, eine blumige und bilderreiche Sprache. Doch die Thematik ist hochaktuell. Ich lese den kleinen Oskar. Ein außergewöhnlicher, intelligenter, aber auch einsamer Junge. Er weiß um seine Überlegenheit und hat ein klares Gefühl für Recht und Unrecht. Er deckt auf, dass die Erwachsenen nach Macht streben und in bestimmten Strukturen feststecken. Eine sehr besondere Perspektive auf der Suche nach der Wahrheit.

 

Das Stück hat also auch eine Botschaft?

Folkerts:Wenn man so will, auf jeden Fall. Wir müssen hinschauen, Stellung beziehen, denn wie leicht ist man verführbar, wenn ein Rechtsruck durch die Gesellschaft geht? Sich hinter den neuen Medien verstecken und anonym irgend etwas posten, kann jeder, aber das Aufstehen und Sich-Einmischen hat stark nachgelassen.

 

Das klingt, als seien sie ein politischer Mensch.

Folkerts: Das bin ich, auch wenn ich nicht in einer Partei bin. Soziales Engagement fällt mir allerdings leichter.

 

Und da machen sie relativ viel, setzen sich für benachteiligte Kinder und Straßenkids und ein Verbot von Landminen ein.Verpflichtet ihr Bekanntheitsgrad?

Folkerts:Als öffentliche Person werde ich schon häufig gefragt, ob ich mich für etwas einsetze, aber ich kann nicht alles machen und muss mich auch entscheiden. Und gerade Kids haben es schwer genug, auch in Deutschland herrscht eine große Kinderarmut, es gibt Integrationsprobleme, Inklusion spielt eine wichtige Rolle, kurz: Es gibt genug Baustellen. Und auf die Kleinsten sind wir in Zukunft angewiesen.

 

Sie sind als Tatort-Kommissarin Lena Odenthal halb Fernsehdeutschland bekannt. Was verbindet diese und Ulrike Folkerts?

Folkerts:Zumindest sind wir seit 30 Jahren zusammen. Das hätte zu Beginn wohl auch keiner gedacht. Lena Odenthal hat Power, außerdem verbindet uns wohl die Sportlichkeit und das Durchsetzungsvermögen. Aber sie ist in erster Linie mit ihrem Job verbunden und ein Stück weit einsam, das ist bei mir zum Glück ganz anders. Ich lebe gern meine Beziehung.

 

Ist eine solch bekannte Rolle Segen oder Fluch?

Folkerts:Beides. Ich bin noch viel mehr und mache auch mehr als den Tatort. Aber das ist nicht so auffällig und laut. Durch die Rolle habe ich mir einen festen Platz in der Branche geschaffen, den ich auch nicht aufgebe. Lena Odenthal ist eine Marke. Es gibt viele Krimis, auch viele Tatorte, aber Lena Odenthal hat sich über die ganze Zeit hinweg gehalten. Das bietet mir natürlich auch eine Existenzsicherheit. Es gibt sowieso wenig Frauenrollen, und die meisten liegen in der Altersstufe zwischen 20 und 40 Jahren, danach nimmt es rapide ab. Nicht nur beim Fernsehen, auch am Theater. Umso schöner ist es, eine Rolle wie Lena Odenthal zu haben.

 

Lena Odenthal ist eine starke, emanzipierte Frau. Hat sich das Frauenbild im TV durch diese Rolle verändert?

Folkerts:Zumindest gibt es mittlerweile mehr Kommissarinnen, Ärztinnen und Anwältinnen im Fernsehen. Da sind wir auf einem guten Weg, es ist aber noch lange nicht genug. Schließlich gibt es immer noch sehr häufig Rollenklischees, die gezeigt werden.

 

Stichwort Frauenbild und Gleichstellung: Muss da noch viel getan werden?

Folkerts: Es gibt viele Punkte mit Blick auf Gleichstellung, die untersuchenswert sind. Aber wenn es so dogmatisch wird wie mit den „Innen", dann finde ich das auch einfach nur noch nervig. Es gibt wichtigere Themen, als die Frage, ob und wie man Männer und Frauen begrifflich zusammenfasst. Gerade in unserer Branche gibt es noch immer zu wenig Frauen, die beim Drehbuch, Kamera oder Regie dran kommen. Und auch die Rollenangebote, gerade für ältere Frauen, sind begrenzt. Da ist die Frage: Warum ist das so und wie lässt es sich ändern?

 

Sie spielen nach wie vor Theater.

Folkerts: Die letzten drei Jahre habe ich viel auf der Bühne gestanden. Es ist schön, sich bei den Proben intensiv mit der Rolle und dem Charakter auseinander setzen zu können. Beim Dreh hat man nie so viel Zeit. Und gerade bei einer Tournee ist das selbe Stück jeden Tag anders, es wächst und entwickelt sich, ist lebendig. Als Schauspielerin lerne ich dabei viel, besonders in puncto Sprache. Schließlich muss mich im Theater auch jemand in der hintersten Reihe noch verstehen. Außerdem erlebt man live auf der Bühne unmittelbar die Reaktionen des Publikums. Das ist total spannend und macht auch einfach sehr viel Spaß.

Information
Karten für die Lesung am 22. Februar gibt es in allen LZ-Geschäftsstellen und telefonisch beim LZ-Kartenservice unter Tel. 05231-911113. Die Tickets kosten zwischen 22 und 44 Euro.

Text von Carolin Brokmann
Foto: WiTi
 

www.lz.de/lippe/kultur/22375574_Ulrike-Folkerts-Lena-Odenthal-ist-eine-Marke.html



Veröffentlicht
15:19:00 14.02.2019
Tina, Termin und News Redakteurin