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Auf einen Kaffee mit Ulrike Folkerts

Authentisch ist das Wort, das ­Ulrike Folkerts bestens beschreibt. Als „­Tatort“-Star, Frau, Freundin & Rolemodel. Der Talk über die Quote im Filmgeschäft und ihr Engagement für Kids.

PB
"Eine zukünftige Herausforderung? Den Konkurrenzkampf zwischen Frauen schlichten".

Der regelrechte „Tatort“-­Hype inklusive ­Public ­Viewing, WhatsApp-Gruppen und sonntäglichen TV-Gemeinschaften, der hat mit ihr begon­nen. Ulrike Folkerts (56), die als Lena Oden­thal seit knapp 30 Jahren in Ludwigshafen ermittelt, hat dazu beigetragen, dass der Sonntags-Krimi ein flächen­deckender Mega-Erfolg wurde. Dafür ist sie am 7. April für die Romy nominiert. Ein Preis, der die Schauspielerin besonders freut, weil er „vom Publikum direkt kommt“; Preise an und für sich sind im Filmbusiness allerdings zwiespältig: „Produzenten denken dann: Jetzt ist sie zu teuer oder zu wählerisch.“ Das kann Ulrike Folkerts auch tatsächlich sein, denn nur wenige Schauspielerinnen 50+ sind so gut im Geschäft wie sie. Ein Umstand, den die energiegeladene Ex-Schwimmerin gern ändern möchte. „Es ist total schwer für Frauen, ab einem gewissen Alter gute Rollen zu bekommen. Und auch heute noch sind die Drehbücher bis in die kleinsten Rollen fast ausschließlich mit Männern besetzt. Ich sage dann oft: Das könnte doch auch eine Taxifahrerin sein.“

 Dortmund

look: Kommen wir gleich zum Wesent­lichen. Ein Thema, das gerade die gesamte TV-Branche bestimmt, ist die Regie-Quote oder vielmehr die Frauen-Quote beim Film.

Ulrike Folkerts: Ich hatte gerade bei der Berlinale eine große Debatte darü­ber. Denn zu wenige Frauen führen ­Regie, zu wenige stehen vor der Kame­ra und viel zu wenige bekommen im höheren Alter Hauptrollen zugeteilt. Aber auch jedes Theaterstück ist männerlastig. Es ist in gewisser Hinsicht eine Gewohnheit und eine Struktur, dass mehr Rollen mit Männern ­besetzt werden. Oft spreche ich den Autor aufs Drehbuch an und frage, weshalb der Taxifahrer, der Arzt oder der Rechtsanwalt eine männliche Person sein muss. Das könnten alles Frauen sein. Diese Denkweise muss geändert werden. Frauen nehmen sich schneller zurück. Wir sollten frecher und selbstbewusster sein und uns gegen­seitig mehr unterstützen. Es gibt auch heute noch Produzentinnen, die sagen: „Ich arbeite lieber mit Männern, ich halte Frauen nicht aus.“ Diesen Konkurrenzkampf zwischen Frauen zu schlichten, sehe ich als Herausforderung.

Frauen sind auch schlecht darin, sich selbst zu loben. Fangen wir mit ­Ihnen an. Was finden Sie gut an sich?

Uns selbst Komplimente zu machen, haben wir nie gelernt. Aber ich finde gut, dass ich sportlich bin. Ich liebe es, in der Natur zu laufen, und brauche das auch. Meine Freundin sagt oft: „Geh mal wieder laufen!“ Ich habe eine alberne, komödiantische Seite, die beim „Tatort“ viel zu kurz kommt. Ich bin froh, dass ich tolle Freunde habe und eine gute Beziehung zu meinen ­Eltern. Mein Bruder und meine Schwester sind ein wichtiger Teil meines Lebens. Und ich bin überglücklich, eine wunderbare Frau an meiner Seite zu haben, mit der ich alt werden möchte.

Sie setzen sich in Ihrer Heimatstadt Berlin für benachteiligte Kinder aus sozial schwachen Familien ein, orga­nisieren Ferien und Theaterprojekte.

Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass Kinder Impulse durch Menschen bekommen, die nicht kritisieren, sondern stärken und inspirieren. Ihnen klar zu machen: „Du bist toll, so wie du bist, und du darfst Fehler machen“ kann diese Menschen positiv prägen und in die richtige Richtung führen.

Erfurt
 
Seit 15 Jahren lebt Folkerts mit Freundin Katharina Schnitzler in einer Beziehung.
Beide freuen sich schon auf die Romy-Party in Wien.


 
www.looklive.at/people/auf-einen-kaffee-mit-ulrike-folkerts-140938/
Fotos: WiTi



Veröffentlicht
21:35:00 04.04.2018
Tina, Termin und News Redakteurin